Samstag, 9. Januar 2021
So trieb ich mich weiter am hbf herum. Ohne plan und ziel und wusste so gar nicht was ich weiter machen sollte. Ich kam mit meinen gefühlen auch nicht klar, das alles war wie ein großer strudel, alle gefühle was es nur so geben konnte prasselten auf mich herein und es fühlte sich so an dass ich da in etwas hineingezogen wurde mit dem ich nicht zurecht kam. Bis dann der zufall wollte es dann so, dass ich von einem passanten angesprochen wurde, der mitbekam, dass es mir nicht gut ging und auch gleich annahm dass ich ohne bleibe bin. Erst war ich bei ihm etwas skeptisch und ich trat mit vorsicht ihm gegenüber, doch als ich merkte, dass er mir wirklich helfen möchte, legte ich meine scheu etwas ab. Dennoch sagte ich ihm nicht die ganze warheit, ich lies ihn im glauben, dass ich obdachlos bin und nicht weiss wo ich hin sollte. Dass ich eigentlich bei meiner familie lebte erfuhr er nicht von mir. Denn es festigte sich bei mir nach und nach ganz langsam der gedanke, erst mal nicht mehr nachhause zu gehen, vielleicht gäbe es ja in münchen irgendwo eine möglichkeit unterzukommen. Klar hatte ich es zuhause gut und hatte im großen und ganzen dort auch ein schönes leben, dennoch aber, engten mich die regeln und absprachen zuhause sehr ein, ich hatte zuhause immer das gefühl, mich nur nachdem zu richten was meine eltern wollten und mir gings sehr ab mein eigener herr zu sein und mal mehr machen zu können was ich möchte. Immerhin würde ich bald 20 werden! Und auch wenn ich mich gerade vom gefühlschaos nicht mehr retten konnte und nur schwer mit meinen gefühlen zurecht kam, war es in der zeit wo ich in münchen nun wieder war schon sehr angetan von dem her dass ich nur das machen konnte wozu ich will und mir niemand dazwischen sprach. Der freiheitsdrang überwältigte mich einfach! Klar es hatte keinen sinn tag und nacht am hbf zu sein, zum einen konnten die nächte am hbf sehr gefährlich werden und zum andren muss ich ja auch ab und an mal schlafen, aber wenn es was gäbe wo ich unterkommen könnte, dann wäre das schon mehr als genial. Immerhin war ich volljährig und konnte so selbst entscheiden wie ich leben möchte, so dachte ich wenigstens. Als ich mich mit dem mann unterhielt der mir helfen wollte, kam es mir so vor als könnte er meine gedanken lesen. Denn er meinte, für mich als junge frau wäre doch der bahnhof viel zu gefährlich und ich bräuchte etwas festes wo ich bleiben könnte. Er kannte in der nähe ein obdachlosenheim für frauen und wenn ich möchte könnte er mich dorthin bringen, so hätte ich erst mal ein dach über dem kopf und könnte da den winter verbringen. Da war ich erstmal platt. Und so kam es dass er mich dorthin begleitete und ich war gleich voller euphorie! Wenn das wirklich klappt, dass ich dort bleiben könnte, das wäre erst mal dann für mich das grösste, so dachte ich mir. Dann kann ich für mich alleine in münchen leben, hätte alle meine freiheiten und muss nichtmehr das alles tun was meine familie will und mir sagt! Ich konnte schon auch irgendwie froh sein, dass ich meine familie um mich hatte und sie immer hinter mir standen, besonders in der zeit wo es mir eine zeit massiv schlecht ging. Aber in der letzten zeit, hatte ich immer mehr das gefühl zuhause zu viel noch die kleine zu sein und mich immer eingeengter fühlte und wenn es nun der zufall so wollte das ich erst mal in diesem heim leben konnte, dann wäre das wie ein lottogewinn für mich! Auch wenn ich durch mein ganzes gefühlschaos eigentlich nicht mehr wusste, was richtig und falsch ist, heute gleich in der früh hätte es mich noch heim gezogen, da traute ich mich nur einfach nicht. Und kaum bekam ich ein solches angebot, sprühe ich über vor glück dieser neuen möglichkeit und hoffte sehr dass dies klappen kann. Das passte alles nicht recht zusammen und meine gefühle spielten wirklich verrückt. Aber ich schob es dann auf meinen schlafmangel, hatte ja die ganze nacht durchgemacht, hatte ja keine gelegenheit irgendwo zu pennen. Wenn ich dort erstmal aufgenommen bin und ein bett bekam, würde ich mich dort gescheit ausschlafen und dann nochmal wenn ich ausgeruht bin alles neu überdenken, so überlegte ich es mir. Die einrichtung war wirklich nicht weit weg. Wir gingen gut 10 minuten vom hbf zu fuss und standen dann vor einem unscheinbaren haus. Mein begleiter klingelte für mich und schilderte kurz meine lage, dann verabschiedete er sich von mir, denn dieses frauenobdach, war auch ein schutzraum für frauen, da durften männer nicht rein. Ich bedankte mich bei ihm und dann war ich mir selbst überlassen.

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