Samstag, 20. Februar 2021
Es ging mir von den Gefühlen her zwar besser, aber ich merkte stark, dass alles in mir irgendwie unterdrückt wurde, das lag an dem Medikament dass sie mir gespritzt hatten, ich fühlte mich einfach wie in Watte gepackt. Und dennoch hatte ich große Angst davor wie das ganze nun für mich weiter gehen wird und was das Gespräch ergeben würde. Ich wusste ja, dass es nicht das schlechteste wäre hier ein paar Tage zu verweilen und mir helfen lassen damit es mir wieder besser geht, doch die andere Seite in mir tobt und wütet und wollte nur noch weg! Aber nur wohin? Heim zu den Eltern zog es mich bestimmt nicht und was hatte ich denn davon wenn ich wieder auf München fahre besser gings mir in der großen Stadt bestimmt nicht zu mal ich in München auch kaum Jemanden kenne. Die vernünftige Seite in mir weiß ich sollte hier erst mal bleiben bis es mir etwas besser geht und auch klarer wieder denken kann und die andere Seite die rebellierende tobt und sagt ich muss unbedingt weg und gerade dieser Anteil war sehr schwer zu bändigen und übernahm sehr oft die überhand. Seitdem ich die Nacht in München war auch wenn es ziemlich heftig gewesen ist und ich mich dann doch nach zu hause gesehnt hatte, ist heute von dieser Sehnsucht nichts mehr über. Ich fühlte mich wieder so was von eingeengt seitdem ich hier auf Station wieder bin. Eingeengt weil ich hier eingesperrt bin, aber auch weil es mir hier immer wieder passieren konnte im Fixbett zu landen und es war für mich immer Horror wenn ich am Bett festgebunden war und mich nicht bewegen konnte. Und wenn ich mir vorstelle ich ging nach der Entlassung zu den Eltern zurück hielt ich alleine den Gedanken im Kopf nicht aus dort wieder zu sein und ständig kontrolliert zu werden. Klar war mir bewusst dass ich aus freien Stücken hier auf Station gekommen bin und ich dachte mir wirklich, dass ich schlimmeres abwenden könnte mich auf eine Behandlung einzulassen. Aber seitdem ich gestern hier so ausgetickt bin wusste ich nun bestimmt, dass mir das überall passieren kann und da spielte es keine rolle wo ich mich aufhielt. Ich konnte es drehen wie ich es wollte, tief in mir schrie es ich will unbedingt nach München zurück! Und so kam es dann auch. Der Arzt holte mich wie abgemacht dann zum Gespräch ab und ich setzte von Anfang an alles daran, dass er mich so schnell als möglich wieder entlässt. Als dieser dann merkte, dass mit mir nicht mehr zu reden war und ich nur noch weg wollte brachte ich ihn soweit dass er meine Entlaßpapiere fertig machte. Ich selbst verstand mich dabei am wenigsten noch, gestern wollte ich was ganz anderes und kaum hab ich mal wieder geschlafen und mich ausgeruht denke und handelte ich ganz anders. Das hatte auch mit meinen massiven Stimmungsschwankungen zu tun, die ich nicht unter Kontrolle hatte und da litt ich massiv darunter. Oft war es auch so dass ich von einem zum anderen Moment ganz anders fühlte und handelte was sehr anstrengend und belastend für mich war. In dieser Situation aber war ich happy dass es so relativ leicht war den Arzt dazu zu bringen mich zu entlassen und mir war sofort klar, dass mich mein weg zum Bahnhof führen würde und ich in dem nächsten Zug auf München sitzen würde. Auch wenn ich mich darüber wunderte dass es so leicht ging entlassen zu werden, in der früh lag ich noch in den Gurten und nun durfte ich die Klinik schon wieder verlassen. Aber da wollte ich nicht drüber nachdenken, ich war voller Vorfreude auf die Großstadt!

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Samstag, 13. Februar 2021
Es war schon der nächste morgen als ich wieder so richtig zu mir kam. Als ich die Augen aufschlug und zur Besinnung kam, musste ich mich erst mal orientieren, bis mir klar wurde was nun eigentlich geschehen war. Als ich aber merkte dass ich mich im Bett nicht bewegen konnte, da ich nach wie vor angebunden gewesen war fiel mir schlagartig wieder alles ein. Ich war gestern komplett ausgetickt und war nicht mehr Herr über mein eigentlichen tun! Ich versuchte dann erst mal mich selbst einzuschätzen, wie es mir mittlerweile ging und ob ich mich heute besser fühlte als gestern und musste sogleich feststellen, dass ich nach wie vor ziemlich Matsch war von der spritze gestern. Doch von den Gefühlen her wenigstens ging es mir weit aus besser. Aber wie sollte jetzt alles bei mir weiter gehen? Ich lag hier angebunden im Bett und mir tat so ziemlich alles weh weil ich mich ja kaum bewegen konnte und überhaupt wie sollte denn nun alles weitere in meinem leben weitergehen. Gestern hatte ich das erste mal seit einem Jahr mich wieder selbst verletzt und da ich es dann als ich schon stationär aufgenommen war gleich nochmal versuchte ist jetzt eine große angst da, dass ich mit dem gestrigen Tag wieder rückfällig geworden bin und wieder was anfing was ich eigentlich bestimmt nicht wollte...
es dauerte dann ca. noch eine stunde, wo ich mich im Fixbett noch quälen musste, was mir immer unangenehmer wurde. Dann kam endlich ein Arzt zu mir und ich konnte ihn überzeugen, dass es O.K. ist wenn er mich losmacht und ich nun bestimmt nix mehr anstellen würde. Und so geschah es dann auch und er verabredete dann mit mir, dass er nun zwar zur Ärzteübergabe müsse, aber gleich im Anschluss möchte er ein ausführliches Gespräch mit mir führen. Mir war im Moment alles recht Hauptsache ich komme erst mal hier aus dem Fixierbett raus! Mein erster weg führte mich in das Raucherzimmer, so lange ich fest im Bett war, hatte ich ja keine Möglichkeit um zu rauchen und so hatte ich mal wieder einen gescheiten Suchtdruck. Diesmal war ich nicht alleine im Raucherraum, es war noch ein Mann und zwei Frauen gerade am rauchen. Doch für mich war es nun anders als gestern wo ich gern jemanden kennen gelernt hätte, jetzt wollte ich am liebsten meine ruhe haben und mit niemanden reden müssen und das versuchte ich von Anfang an zu signalisieren, setzte mich abseits in eine ecke und drehte mich von den andere weg. Und dadurch wurde ich dann auch in ruhe gelassen. Es war soviel passiert und ich hatte enorm viel im Kopf, da musste ich mit alledem erst fertig und mir selbst wieder klarer werden und das versuchte ich auch während des Rauchens nur so recht gelingen tat es mir nicht. Außerdem hatte ich etwas angst vordem mir bevorstehenden Arzttermin, ich hatte mich ja gestern ganz schön aufgeführt und hatte vor den Konsequenzen angst, was ist wenn ich nun für länger hier eingesperrt werde und erst mal hier auf Station bleiben muss für länger? Aber auf der andren Seite wäre es denn so schlimm für eine zeit hier zu sein und dafür aber die Hoffnung zu haben, dass ich dadurch schlimmeres vermeide und aus der ganzen Sache mit einem blauen Auge davon komme? Es waren so viele Gedanken und fragen in mir drinnen und ich merkte echt sehr stark, dass ich so gar nimmer wusste was ich will und eigentlich auch nimmer was ich denken sollte.

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Montag, 8. Februar 2021
Der arzt der mich zum gespräch abholte war mir gänzlich unbekannt, ich kannte so manchen arzt dieser klinik nur eben halt gerade diesen nicht und dies machte mir die ganze angelegenheit wirklich viel komplizierter. Ich sollte erzählen was los war und wieso ich nun hier bin, doch ich fremdelte so sehr, dass ich kaum ein wort herausbrachte. Das war bei seinem kollegen sehr viel leichter gewesen, weil ich den kannte und er sogar mal mein behandelnder arzt gewesen war. Ich wünschte mich in dieser situation einfach ganz weit weg und hielt es in mir noch immer schwieriger aus. Es ging mir eh schon miserabel und dann sollte ich ihm den mir so fremden mann auch noch was von mir erzählen. Bei seinem kollegen, hab ich mich wenigstens etwas sicherer gefühlt und vielleicht gerade deshalb das angebot der aufnahme zugestimmt, ich hatte einfach die situation nicht überrissen gehabt, dass ich jemandem fremden ausgeliefert bin. Und nun saß ich hier und werde sachen gefragt über die ich nicht reden wollte, in mir tobte es, ich wollte nur dass dieses gefühl endlich aufhörte und ich endlich zur ruhe kommen kann und nun das! Das ging solange bis ich es nimmer aushielt aus dem arztzimmer rannte und mich in das badezimmer einsperrte das zu meinem zimmer gehörte und mich erst mal darin verschanzte, ohne zu wissen wie es nun weiter gehen konnte. Da erblickte ich am waschbeckenrand eine porzelantasse von meiner zimmergenossin und ich überlegte keine sekunde, ich nahm das ding und schmiss es voller wucht auf den boden so dass die tasse in tausend teile zersprang und ich dachte nur noch ich will mich nur noch schneiden in der hoffnung die mießen gefühle gehen dadurch weg. Ich hatte einen gefühlszustand der unbeschreiblich und unaushaltbar war. Doch dazu kam es nicht, das personal war schneller als ich, es wurde von außen die türe geöffnet und mir die scherbe mit der ich mich gerade schneiden wollte aus der hand geschlagen und ich wurde festgehalten. Da ich wie wild um mich schlug und mich aufführte, so dass sie mich nur schwer festhalten konnte wurde der alarm ausgelöst und personal von sämtlichen stationen kamen zusammen die mich in ein fixierbett verfrachteten. Das letzte was ich dann noch mitbekam war dass ich eine spritze verabreicht bekam und dann war ich erst mal weg.

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